Sprachsalz 2018

Sprachsalz 2018 hat vom 14.-16. September stattgefunden:  Infos zu den Autoren und das Programm gleich hier.

 

Fast alle Lesungen sind ausserdem nachzuhören auf unserer Audio-Seite.

 

Sprachsalz 2019: Vom 6.-8. September 2019. Abonnieren Sie unseren Newsletter und bleiben Sie auf dem Laufenden.

 


 

Schluss-Pressetext Sprachsalz 2018

LITERATUR, DIE ALLE ETWAS ANGEHT

 

Die 16. Ausgabe der Literaturtage Sprachsalz gehen mit Lesung des US-amerikanischen Schriftstellers Mark Z. Danielewski erfolgreich zu Ende. Großes Interesse galt diesmal den zahlreichen Veranstaltungen zu gesellschaftspolitischen Themen.

 

„Das Interesse unseres Publikums ist immer dann besonders groß, wenn wir die AutorInnen und Texte ins Gespräch bringen: So begeisterten Jürgen und Thomas Roth bei ihrem Spaziergang mit Vogelschau, wo sie mit tierischen Fakten und Andekdoten den menschlichen Spiegel vorhielten. Aber auch Diskussionen im Sprachsalz-Club zum Thema ‚Schreiben zwischen Autobiografieren, Erinnern und Historie‘ eröffneten neue Sichtweisen auf die künstlerischen Prozesse zwischen Fakten und Fiktion“, betont Urs Heinz Aerni, der gemeinsam mit Magdalena Kauz, Ulrike Wörner, Heinz D. Heisl und Elias Schneitter das Festival kuratiert und organisiert.

 

„Wir gestalten zu fünft das Programm – und greifen in unserer Auswahl immer wieder gesellschaftliche Themen auf, die uns alle beschäftigen: So haben Serhij Zhadan über die Folgen von Krieg und Gewalt in der Ostukraine und Andrzej Stasiuk über die Grenzen Europas zwischen Vergangenheit und Gegenwart erzählt. Que Du Luu las aus ihrem zeitlos-berührenden Roman über Heimat und Flucht und mit Yannick Haenel konnten wir einen Aussteiger bei seinem Kampf für humane Werte in einer entpolitisierten Gesellschaft begleiten. Das sind Themen, die uns alle angehen, und denen man bei einem Festival Raum und Öffentlichkeit geben muss.“

 

Rebellische Unterströmungen

Freitagmittag wurde das Festival mit der Lesung eines Tiroler Autors eröffnet: Bernd Schuchter präsentierte sein literarisches Porträt „Herr Maschine oder vom wunderlichen Leben und Sterben des Julien Offray de La Mettrie“. Bis in die Nacht wurden die Säle des Parkhotels bespielt: Que Du Luu gab bei ihrer Lesung aus „Im Jahr des Affen“ Einblicke in den Alltag einer Flüchtingsfamilie. Mit seinem radikalen und zornigen Text „Tagebuch, danach geschrieben“ berichtete Andrzej Stasiuk über die Widersprüche, die seine polnische Heimat bestimmen, und Yannick Haenel untersucht in seinem gesellschaftstheoretischen Roman „Die bleichen Füchse“ das entpolitisierte Frankreich von heute auf rebellische Unterströmungen. Beiden Autoren lieh der Schauspieler Thomas Sarbacher die deutsche Stimme.

 

Zwei Veranstaltungen am Freitag bewiesen, wie viel Musik und Literatur miteinander zu tun haben: Assoziative Freiräume wurden beim rauschartigen Text- und Soundgewebe von Thomas Antonic und Michael Fischer eröffnet. Spätabends begab sich Robert Rotifer bei Geschichten über seine Songs und im Gespräch mit Hanspeter „Düsi“ Künzler auf eine autobiografische wie gesellschaftliche Spurensuche.

 

Ungewöhnlich begann der Festivalsamstag: Zum ersten Mal fand Sprachsalz heuer den Weg ins Grüne, wo Jürgen und Thomas Roth, die während des Festivals auch aus ihrem Band „Kritik der Vögel“ lasen, bei einer Exkursion und mit schalkhaft-parodistischen Texten zu Fauna und Flora begeisterten.

 

Zwei Liebesgeschichten vor dem Hintergrund politischer Ereignisse standen u. a. am Nachmittag auf dem Programm: Gert Loschütz entführte mit seinem ergreifenden Roman „Ein schönes Paar“ in die Geheimnissen einer deutschen Liebes- und Ehegeschichte zwischen Ost und West, und Zora del Buonos Roman „Hinter Büschen, an eine Hauswand gelehnt“ macht die unmöglich scheinende Liebe inmitten der aufgeheizten Stimmung des NSA-Skandals zum Thema.

 

„Ein Buch wie eine Gnackwatschn“

Sprachsalz war auch diesmal mit einigen Veranstaltungen zu Gast beim Festivalpartner Ablinger.Garber: Am Samstagnachmittag präsentierte die Schweizer Lyrikerin Meret Gut abgründig düstere Gedichte, die aus ihrer Auseinandersetzung mit der aktuellen ökologische Situation entstanden. „Ein Buch wie eine Gnackwatschn“, so Moderator Martin Fritz über diesen brillanten Monolog, mit dem Jaroslav Rudiš in den Kopf und den Körper eines Schlägers schlüpft: Er thematisiert in „Nationalstraße“ den Rechtsruck und die Angst vor dem und den Fremden in Tschechnien.

 

In einer eigens eingerichteten Werkstatt für Kinder gab Christian Yeti Beirer im Rahmen von Sprachsalz-Mini Einblicke hinter die Kulissen des Büchermachens. Ergänzend gab es kurze Leseeinheiten von Sprachsalz-Autorinnen und -Autoren mit Texten für Kinder.

 

Textschwingungen und Lebensfolie

Der Samstagabend zeigte, welche „Textschwingungen durch das Festival tanzen“, so Heinz D. Heisl, der duch den Abend führte. Neben Serhij Zhadan, Thomas und Jürgen Roth und Zora del Buono forderte Mark Z. Danielewski mit einem Text, dessen Wurzeln in Musik und Oper liegen, die Vorstellungskraft des Publikum: Gemeinsam mit Schauspieler Ernst Gossner las er einen Auszug aus „Only Revolutions“, seinem mitreißendem Welt- und Liebesgedicht, mit dem er im mehrdimensionalen Spiel die Romanform auf den Kopf stellt.

Mit absurd-abgründigem Humor und präziser Beobachtungsgabe, die auch David Schalkos aktuellen Roman "Schwere Knochen" auszeichnen, unterhielt der Autor und Regisseur auch am Samstagabend bei der Lesung seiner tragikomischen Kurzgeschichte "Cowboys".

Autobiografie als Folie

Im Medienturm Ablinger.Garber fanden auch zwei Ausgaben des Sprachsalz-Clubs statt: Am Samstag unterhielt sich Moderator Boris Schön mit Autor und Verleger Bernd Schuchter über die vielfältige Literatur- und Verlagsszene in Tirol. Schuchter war auch Gesprächspartner am Samstagvormittag: Da führte Moderator Alexander Kluy mit Schuchter, Zora del Buono und Gert Loschütz ein Gespräch über die Autobiografie als Folie, auf der Fiktion entsteht und darüber, wie weit man beim Schreiben gehen kann. „Wenn der Text eine Wahrheit hat, dann tut er weh“, so Loschütz. Rücksicht auf sich und andere wäre ein Kompromiss, schließlich müsse die eigene Wahrheit erhalten bleiben.

 

Beklemmende Momente schufen spätnachmittags auf der Terrasse des Parkhotels noch Serhij Zhadan und Schauspieler Ernst Gossner, die Auszüge aus Zhadans Buch "Warum ich nicht im Netz bin - Gedichte und Prosa aus dem Krieg" vortrugen: Es sind Geschichten über Menschen der Ostukraine, die zeigen, dass es trotz Gewalt und Zerstörung Zuversicht geben soll und muss.

 

Die 17. Ausgabe von Sprachsalz findet von 6.-8. September 2019 statt.

 

Für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung bedanken sich die Sprachsalz-Organisatoren:

Valerie Besl, Magdalena Kauz, Max Hafele, Heinz D. Heisl, Elias Schneitter, Urs Heinz Aerni,

Ulrike Wörner