Volle Säle – volles Veranstalter*innenherz

alle Fotos: Yves Noir & Denis Mörgenthaler

Edgar Selge am großen sprachsalz Abend (Foto Yves Noir)
Edgar Selge am großen sprachsalz Abend (Foto Yves Noir)

Zur 20. Jubiläumsausgabe der Literaturtage Sprachsalz sind wieder alle ins Parkhotel nach Hall gekommen: Heimische und internationale Autor*innen ebenso wie ein literaturbegeistertes Publikum, das dem Festival nach zwei digitalen Jahren die Treue hält und für volle Säle gesorgt hat. Ein Höhepunkt war die große Sprachsalz-Gala am Samstagabend mit der südkoreanischen Autorin Kim Hye-jin, der deutschen Filmemacherin und Schriftstellerin Doris Dörrie, dem Schauspieler und Schriftsteller Edgar Selge und der Berliner Autorin Lea Streisand.

 

Die Programmmacher*innen Heinz D. Heisl, Magdalena Kauz, Elias Schneitter, Ulrike Wörner und Boris Schön waren vom angeregten Festivaltreiben begeistert. «Die Spannung war groß im Vorfeld, ob sich nach der digitalen Pause die Säle wie davor füllen würden – und schon der erste Nachmittag hat gezeigt, dass das Bedürfnis nach dem gemeinsamen Literaturerlebnis ungebrochen ist», ist Magdalena Kauz erfreut. «Volle Säle, volles Veranstalter*innenherz!», ergänzt Ulrike Wörner. «Und diese Euphorie des Publikums hat sich auch auf die Autor*innen übertragen, die endlich wieder in unmittelbaren Austausch mit ihren Leser*innen treten konnten.»

 

«Einmal mehr hat sich Sprachsalz als Ort bewiesen, an dem auch Literatur, die in kein Genre passt, und Autor*innen, die es für viele erst noch zu entdecken gilt, die große Bühne geboten wird», so Elias Schneitter. Das Jubiläumsprogramm von Belletristik bis zum literarischen Sachbuch, von Lyrik bis Comic, wurde von musikalischen Querverweisen ergänzt, ein neuer Schwerpunkt im Festivalprofil. Heinz D. Heisl: «Das Konzept gibt uns auch nach 20 Jahren recht – wenn man neugierig bleibt und diese Neugierde als eine Herzensangelegenheit mit möglichst vielen Menschen teilt, dann gibt es als Schnittstelle wohl keinen besseren Ort als das Parkhotel.» Eine Schnittstelle zwischen Werk und Autor*innen ist auch das Gesprächsformat Sprachsalz-Club. «Was wir schon immer fragen wollten – das Club-Format begibt sich auf die Geschichten zwischen den Zeilen, die das literarische Werk mit weiteren Facetten bereichert», betont Boris Schön.

 

DAS JUBILÄUMSPROGRAMM

Gefeiert wurde u. a. Samstagabend bei der traditionellen Sprachsalz-Gala: Schonunglos offen und höchst amüsant erzählte Lea Streisand mit einem Text aus «Hätt' ich ein Kind» über die Wege zur Mutterschaft und das Scheitern der gesellschaftlich geprägten Idee selbiger. Die südkoreanische Autorin Kim Hye-jin gab einen Auszug aus ihrem Roman «Die Tochter», in dem das traditionelle Weltbild einer Mutter durch den queeren Lebensentwurf der Tochter aus den Fugen gerät. Doris Dörrie erzählte wie es ist, mit Männern unterwegs zu sein, und nahm die Zuhörer*innen mit auf eine Reise nach Marokko, die im Band «Die Heldin reist» nachzulesen ist. Radikal persönlich ist auch das literarische Debüt «Hast du uns endlich gefunden» des Schauspielers Edgar Selge, das den familiären Spannungen und Rissen in der scheinbar geordneten Welt des Bürgertums nachgeht.

 

Auf musikalische Zeitreisen konnte man sich mit dem britischen Musiker, Komponisten und Autor Luke Haines begeben, der mit «Bad Vibes: Britpop und der ganze Scheiß» Einblicke in die heutige (Pop-)Welt gab und einige Songs aus seinen legendären Alben kredenzte. Der Schriftsteller, Politikwissenschaftler und Musikkritiker Benjamin Berton las aus seiner semifiktionalen Biografie «Dreamworld. Oder: vom fabelhaften Leben des Dan Treacy und seiner Band Television Personalities», in der er mit viel Szene- und Zeitkolorit eine britische Musikgeschichte von den 1960er-Jahren bis fast zur Gegenwart erzählt.

 

Die diesjährige Bachmann-Preisträgerin Ana Marwan entfaltete mit Lesungen aus ihrem ausgezeichneten Text «Wechselkröte» und ihrem Romandebüt «Der Kreis des Weberknechts» ein unterhaltsames, geschliffen ironisches Meta-Spiel des Zwischenmenschlichen. Der kolumbianische Erzähler Tomás González kreist in seinem Geschichtenband «Die stachelige Schönheit der Welt» um das Thema der unangreifbaren Würde des Menschen und spannte atmosphärisch einen Bogen zwischen Zeiten und Kontinenten.

 

Der deutsche Schriftsteller Christoph Höhtker schilderte mit Auszügen aus seinem dystopischen Roman «Schlachthof und Ordnung» eine Gesellschaft am Rande des Nervenzusammenbruchs und Julia Deck stellte ihre Meisterinnenschaft als spöttische Beobachterin bourgeoiser Bizarrerien unter Beweis, indem sie die Macht des schönen Scheins und der sozialmedialen Inszenierung genüsslich sezierte.

 

Barbara Hundegger ging – musikalisch begleitet von Lissie Rettenwander – mit «[anich.atmosphären.atlas]» poetisch wie gesellschaftspolitisch den inneren Konflikten einer zerrissenen Existenz nach. Der Schweizer Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart stellte seinen ersten Lyrik-Band «zittrigi fäkke – Gedichte in Obwaldner Mundart» vor, den er der Erinnerung an seine sprachliche Kindheit gewidmet hat.

 

Paulina Stulin präsentierte bei der ersten Sprachsalz-Comiclesung ihren persönlichen Band «Bei mir zuhause». Weiters gab es eine Querverbindung: Doris Dörrie hatte die Künstlerin um die Adaption ihrer Filmkomödie «Freibad» gebeten, in der Stulin einfühlsam Stimmungen, Geschichten und Konflikte im einzigen Frauenfreibad Deutschlands einfing.

 

Zu Gast war der bildende Künstler, Journalist und Herausgeber Boris Kerenski mit den ersten beiden bibliophilen Chapbook-Bänden mit fragmentarischen Reisenotizen aus wechselnden Metropolen, und der in Wien lebende Schweizer Andreas Niedermann stellte sich mit seiner Novelle «Das Glück der falschen Fährten» die Frage: Was tun, wenn eines Tages eine berühmte Singer-Songwriterin bei einem einquartiert wird? Der Künstler Paul Renner arbeitet seit über 30 Jahren an der Verwirklichung eines aktionistischen Gesamtkunstwerks, bei Sprachsalz lud er zu einer interaktiven Literaturperformance mit Schnaps und Schlagwerk.

 

Die 21. Ausgabe der internationalen Literaturtage Sprachsalz findet von 8. bis 10. September 2023 statt.

 

Für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung bedanken sich die Sprachsalz-Organisator*innen:

Valerie Besl, Max Hafele, Heinz D. Heisl, Magdalena Kauz, Elias Schneitter, Boris Schön, Ulrike Wörner

 

 

 

20 JAHRE SPRACHSALZ: DIE JUBILÄUMSAUSGABE

Das Sprachsalz Team freut sich mit!
Das Sprachsalz Team freut sich mit!

Herzensbücher, Nobelpreisträger*innen und literarische Stimmen von morgen: Mit nicht weniger als über 300 heimischen und internationalen Autor*innen hat das Programm der Literaturtage Sprachsalz in den vergangenen 20 Jahren das vielsprachige Spektrum der Gegenwartsliteratur präsentiert. Zur Jubiläumsausgabe, die nach zwei digitalen Jahren das Publikum wieder in den Sälen und auf den Terrassen des Parkhotel Hall erwartet, wird von 9. bis 11. September 2022 einmal mehr Hörens- und Lesenswertem eine Bühne geboten. Zu Gast sind u. a. die südkoreanische Autorin Kim Hye-jin, die deutsche Filmemacherin und Schriftstellerin Doris Dörrie, der kolumbianische Erzähler Tomás González, die diesjährige Bachmannpreisträgerin Ana Marwan, der britische Musiker Luke Haines oder der Schauspieler und Schriftsteller Edgar Selge. Der Eintritt ist wie immer frei.

 

Auch im 20. Festivaljahr stellen die Programmmacher*innen Begeisterungsfähigkeit und Neugierde unter Beweis: «Kreativität, Flexibilität, Aufgeschlossenheit und die Bereitschaft stetig dazuzulernen waren schon immer die Kardinaltugenden von Festivalmacher*innen, und das Sprachsalz-Team versucht genau das in jedem Jahr von Neuem umzusetzen,» betont Ulrike Wörner. «Jede und jeder der Kurator*innen stellt die persönlichen Favorit*innen für das Jahr vor», erklärt Magdalena Kauz. «Dabei orientieren wir uns weder an Neuerscheinungs- oder Bestsellerlisten, noch kann man sich bei uns bewerben; wir bekommen zwar oft Vorschläge, die wir prüfen, aber es muss dann einen oder eine von uns überzeugen.»

 

Eingeladen wurden bisher rund 350 heimische und internationale Autor*innen, wobei es «wohl immer ein besonderer Moment bleibt, Autor*innen zu begegnen, die nur selten auf Bühnen zu erleben sind», so Heinz D. Heisl. «Für uns ist Sprachsalz nicht nur immer schon die Möglichkeit gewesen, die Autor*innen hinter unseren Herzensbüchern persönlich kennenzulernen, sondern gemeinsam mit ihnen und dem Publikum die literarischen Landschaften zu erkunden, die diese für uns in ihren Texten vermessen haben», freut sich Elias Schneitter. Und Boris Schön ergänzt: «Ich freue mich riesig auf die Nervosität vor dem Betreten der Bühne, die Gespräche und Signierstunden danach, der Austausch über die Literatur, die zufälligen Begegnungen mit Menschen, die langen Abende und die kurzen Nächte und darauf mit der Gewissheit nach Haus zu kommen, dass Literatur die schönste Sache der Welt ist.»

 

TRADITIONELLER AUFTAKT

Eröffnet wird das Jubiläumsfestival traditionell mit einer Lesung mit Tirol-Bezug: In ihrer lyrischen Biografie «[anich.atmosphären.atlas]» bietet die Innsbrucker Schriftstellerin Barbara Hundegger einen einzigartigen Einblick in das Tirol des 18. Jahrhunderts. Als einfacher Bauer geboren, wurde Peter Anich zum bedeutenden Kartografen, dem mit dem «Atlas Tyrolensis» die erste einheitlich konzipierte Karte eines europäischen Landes gelang. Hundegger zeichnet poetisch wie gesellschaftspolitisch die inneren Konflikte dieser zerrissenen Existenz nach. Begleitet wird sie bei Sprachsalz von der Musikerin und Komponistin Lissie Rettenwander.

 

LITERATUR AUS ALLEN HIMMELSRICHTUNGEN

Der kolumbianische Erzähler Tomás González ist in seinem Geschichtenband «Die stachelige Schönheit der Welt» seinem Lebensweg, der ihn aus ökonomischen Gründen von Bogotá in die USA geführt hat, literarisch auf der Spur. In 13 Erzählungen kreist er um das Thema der unangreifbaren Würde des Menschen und spannt einen Bogen zwischen Zeiten und Kontinenten: «González schreibt einen sehr trockenen, aber zugleich unglaublich atmosphärischen Stil. Die Geschichten sind dunkel, aber es ist, als leuchteten sie von innen.» (Peter Stamm)

 

Erwartet wird Kim Hye-jin, mit «Die Tochter» ist erstmals ein Roman der Südkoreanerin in deutschsprachiger Übersetzung erschienen: In diesem Kammerspiel einer Mutter-Tochter-Beziehung, in dem das traditionelle Weltbild der Mutter durch den queeren Lebensentwurf der Tochter aus den Fugen gerät, erweist sich die 1983 geborene Autorin als stilistisch brillante Chronistin der Gegenwart und ihrer Gesellschaft und wird dafür von Leser*innen und Kritik gleichermaßen gefeiert. Renate Giacomuzzi wird im Sprachsalz Club-Format ein Gespräch mit der Autorin führen.

 

«Die in der slowenischen Stadt Murska Sobota aufgewachsene Autorin führt die deutsche Sprache so vor sich her als hätte sie niemals in einer anderen Sprache gelebt.» so Klaus Kastberger in seiner Laudatio zum Ingeborg Bachmann-Preis 2022. Bei Sprachsalz liest die diesjährige Preisträgerin Ana Marwan aus ihrem Text «Wechselkröte» und ihrem Romandebüt «Der Kreis des Weberknechts»: Vor einem klugen philosophisch-literarischen Diskurs entfaltet die Autorin ein unterhaltsames, geschliffen ironisches Meta-Spiel des Zwischenmenschlichen, um dessen Strukturen schonungslos entlarvt zur Schau zu stellen.

 

Drei kleinere Erzählungen, die für sich stehen und doch aufeinander aufbauen, münden in der großen Erzählung «Impostor»: Bei Sprachsalz ist der bildende Künstler, Journalist und Herausgeber Boris Kerenski mit den ersten beiden bibliophilen Chapbook-Bänden mit zahlreichen farbigen Illustrationen von Dieter Groß zu Gast. Darin hält der charmante wie misanthropische Flaneur Ari seine Beobachtungen in den wechselnden Metropolen in fragmentarischen Reisenotizen fest – ein Glücksfall für Leser*innen mit Fernweh.

 

LEBEN ZWISCHEN FIKTION UND WIRKLICHKEIT

Bereits in ihrem Band «Leben, schreiben, atmen – Eine Einladung zum Schreiben» gibt Doris Dörrie Einblicke ins Unterwegssein: «Ich schreibe, um einen Sinn zu finden, obwohl es am Ende wahrscheinlich keinen gibt. Schreibend erinnere ich mich an mich selbst. Schreibend erforsche ich die Welt.» In ihrem aktuellen autofiktionalen Text «Die Heldin reist» erzählt die deutsche Filmemacherin und Autorin nun entwaffnend ehrlich, witzig und lebensklug von einer, die auszog, das Fürchten zu verlernen, indem sie in einer Mischung aus Erinnerungen, Reflexionen und Geschichten auf drei Reisen in die USA, nach Japan und Marrakesch zurückblickt.

 

Auch Paulina Stulins Comic «Bei mir zuhause» ist eine sehr persönliche Auseinandersetzung – doch wo die autobiographischen Tatsachen aufhören und die Fiktion anfängt, bleibt offen. Zusätzlich gibt es eine Querverbindung zu einem weiteren diesjährigen Sprachsalz-Gast: Doris Dörrie hat die deutsche Comic-Künstlerin und Illustratorin um die Adaption ihrer Filmkomödie «Freibad» gebeten, die im Herbst in die Kinos kommt. Stulin fängt darin einfühlsam Stimmungen, Geschichten und Konflikte im einzigen Frauenfreibad Deutschlands ein. Wir freuen uns auf ein von Boris Schön moderiertes Sprachsalz-Jubiläums-Club-Gespräch zwischen den beiden Künstlerinnen.

 

In Edgar Selges radikal persönlichem literarischen Debüt «Hast Du uns endlich gefunden» reichen die Schatten der Kriegsgeneration bis in die Gegenwart der 1960er hinein. Exemplarisch erzählt ein Zwölfjähriger von den familiären Spannungen und Rissen in der scheinbar geordneten Welt des Bürgertums, in der die Eltern durch Hingabe an klassische Musik und Literatur nachzuholen versuchen, was sie ihre verlorenen Jahre nennen. Wie eine zweite Erzählung legt sich die Musik über die autofiktionale Geschichte und begleitet den unbeirrbaren Drang nach Freiheit. In Hall ist Edgar Selge auch bei einer von Alexander Kluy moderierten Lesung mit Gespräch im Rahmen eines Sprachsalz-Jubiläums-Clubs im Medienturm Ablinger.Garber zu erleben.

 

Der in Wien lebende Schweizer Andreas Niedermann war Steinbrecher, Kinobetreiber, Theatertechniker, Alphirte, Journalist, Fitnesstrainer – und ist seit den späten 1980er Jahren Schriftsteller. In seiner Novelle «Das Glück der falschen Fährten» kommt Niedermann schwer aus dem Tritt: Was machen, wenn eines Tages eine berühmten Singer-Songwriterin bei einem einquartiert wird? Jede Nacht erscheinen ihm Countrygrößen im Traum, seine Arbeit geht nicht voran, und so vertreibt er sich die Zeit mit dem Abschreiben fremder Texte, Erinnerungen an vergangene Skandale und das 90er-Jahre Wien und dem Nachdenken über den Literaturbetrieb.

 

Der Künstler Paul Renner arbeitet seit über 30 Jahren an der Verwirklichung eines aktionistischen Gesamtkunstwerks, das Malerei, Kulinarik und literarische Themen miteinander vereint. Den Beweis dazu tritt er bei Sprachsalz u. a. mit «The Hell Fire Touring Club» an, die Realisierung einer literarischen Fiktion. Renner begab sich zwei Jahre lang auf eine Pilgerschaft in neunzehn Stationen, um sich «vor den schillerndsten, von Kerzen erleuchteten Altären der größten Décadents der Geschichte niederzuwerfen».

 

Der Schweizer Schauspieler Hanspeter Müller-Drossaart war in den vergangenen Jahren als deutschsprachige Stimme internationaler Sprachsalz-Autoren zu erleben. Heuer kommt er nun mit eigenen Werken zum Festival, darunter sein erster Lyrik-Band «Zittrigi fäkke – Gedichte in Obwaldner Mundart», der von der Erinnerung an seine sprachliche Kindheit und dem familiären Umgang mit Eltern, Geschwistern und Verwandten berichtet. Außerdem spricht Urs Heinz Aerni im Rahmen eines Sprachsalz-Jubiläums-Clubs mit dem Schauspieler und Autor über den Witz und anderes.

 

MUSIKALISCHE ZEITREISEN

Musikalische Querverweise zeichnen Sprachsalz schon seit einigen Jahren aus: Neben dem Konzert der Band Intimspray von Autor, Musiker und Sprachsalz-Organisator Heinz D. Heisl am Vorabend des Festivals (21 Uhr im Perkhotel, Eintritt frei) gibt es weitere Lesungen, Gespräche und Werkproben mit Musikbezügen.

 

Das Werk des Schriftstellers, Politikwissenschaftlers und Musikkritikers Benjamin Berton, der für seinen Debütroman «Sauvageons» 2000 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde, zeichnet dessen soziologischer Blick aus. Bei Sprachsalz ist Berton u. a. zu Gast mit seiner semifiktionalen Biografie «Dreamworld. Oder: vom fabelhaften Leben des Dan Treacy und seiner Band Television Personalities», ein Mix aus musikgeschichtlichen Fakten und Fan-Perspektive. Mit viel britischem Szene- und Zeitkolorit von den 1960er-Jahren bis fast zur Gegenwart erzählt der französische Autor die Geschichte von Daniel Treacy, einem Beinahe-Genie der Musikgeschichte.

 

Dem musikliebenden Publikum fiel der Brite Luke Haines in den späten Eighties als Teil der Band Servants erstmals auf, ehe er als Kopf von «The Auteurs» von den Medien als «the next big thing» abgefeiert wurde. Seither machte er sich u. a. mit den Bands «Baader Meinhof» und «Black Box Recorder» oder seiner neuesten Kollaboration mit Ex-R.E.M.-Gitarrist Peter Buck einen Namen und gab mit Büchern wie «Bad Vibes: Britpop und der ganze Scheiss» Einblicke in die Szene. Bei einem Sprachsalz-Jubiläums-Club wird er sich mit Hanspeter Düsi Künzler über den Zustand der heutigen (Pop-)Welt echauffieren, aus seinen Büchern lesen und auch einige Lieder kredenzen.

 

GESELLSCHAFT IN WENDEZEITEN

Eine Gesellschaft am Rande des Nervenzusammenbruchs: Da hilft nur das selbstlernende Glücksmedikament Marazepam, das von Schmerz befreit und Wünsche wahr werden lässt. In seinem dystopischen Roman «Schlachthof und Ordnung» schickt der deutsche Schriftsteller Christoph Höhtker einen Investigativjournalisten auf die Spuren einer bösartigen hormonellen Allheildroge, die eine Gesellschaft steuert, die beunruhigend genau nach der unseren klingt.

 

Julia Deck ist eine spöttische Beobachterin bourgeoiser Bizarrerien: So erzählt sie in «Privateigentum» mit beißendem Witz von der Vorstadthölle der gepflegten Gärten, Nachbarschaftspartys und Seitensprüngen. Und auch ihr neuer Roman «Nationaldenkmal» ist eine verrückte Satire auf unsere Gegenwart, wenn politische, soziale, pandemische und finanzielle Krisen hinter schmiedeeisernen Gittern eines Schlosses zusammenlaufen und die Pariser Autorin die Macht des schönen Scheins und der sozialmedialen Inszenierung genüsslich seziert.

 

Sie ist Zeitungs-und Radiokolumnistin, Buchautorin, Poetry-Slammerin und Lesebühnen-Rakete – und Aufdeckerin. Denn in ihrem jüngsten Roman «Hätt‘ ich ein Kind» enthüllt die Berliner Schriftstellerin Lea Streisand mit gleich mehrere Geheimnisse, u. a. dass Rapunzel ein Schwangerschaftsmärchen ist. Bei Sprachsalz liest sie auch aus «Hufeland, Ecke Bötzow», in dem sie Kindern der Wendezeit eine Stimme gibt und in die späte DDR entführt, dessen Tristesse, Melancholie und Opportunismus Streisand mit viel Witz begegnet.

 

DER GROSSE SPRACHSALZ-ABEND

Der Festabend am Sprachsalz-Samstag bietet Kulinarisches und Literarisches: Neben Lesungen – mit Edgar Selge, Doris Dörrie, Kim Hye-jin und andere – gibt es ein Sprachsalz-Menü. Einlass 18.00 Uhr, ab 19.00 Uhr Vorspeise und Hauptgang, Lesungen ab 20.30 Uhr, Dessertpause. Reservierung nur mit Menü möglich (VVK à 45 Euro/Person, ohne Getränke, Sponsorenplätze möglich): online hier  oder unter reservation@sprachsalz.com bzw. T: +43 680 3144890.

 

 

SPRACHSALZ-MINI

Bei SPRACHSALZ MINI zeigt der Flaneur, Zeichner und Kalenderherausgeber Christian Yeti Beirer bei «Yeti's feine Graphic-Novel und Comic Werkstatt» Kindern zwischen 6 und 12 Jahren, wie aus einem einfachen Strichmännchen ein Comic entsteht, wie aus den ersten Schreibversuchen eine kleine Geschichte entstehen kann und wie man diese Geschichte wiederum zu einer «Graphic Novel» gestaltet. (SA, 10. September und SO, 11. September, jeweils 13.00–15.00 und 16.00–18.00 Uhr, Anmeldung erforderlich).

 

Alle Lesungen und Gespräche im Parkhotel, im Kurhaus und im Medienturm Ablinger.Garber sind auch in diesem Jahr wieder bei freiem Eintritt zu besuchen. Mehr Informationen unter www.sprachsalz.com

 

 

SPRACHSALZ-Jubiläums-CLUBS: LESUNGEN UND GESPRÄCHE

FR, 9. September

17.00 Uhr – Hanspeter-Müller Drossaart, Moderation: Urs Heinz Aerni

19.30 Uhr – Doris Dörrie und Paulina Stulin – Moderation Boris Schön

22.00 Uhr – Luke Haines – Moderation: Hanspeter Düsi Künzler

 

SO, 11. September

11.00 Uhr – Edgar Selge – Moderation: Alexander Kluy

18.15 Uhr – Kim Hye-jin – Moderation Renate Giacomuzzi, Übersetzung: Simone Fuchs

 

 

Sprachsalz-Audiofiles

Sprachsalz stellt bereits während des Festivals Audiofiles und vereinzelt auch Videos im Sprachsalz Audio-Archiv online zur Verfügung. Teile des Festivals können so nachgehört werden, auch dank der Unterstützung durch das Innsbrucker Zeitungsarchiv: www.sprachsalz.com/audios/

 

 

Für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung bedanken sich die Sprachsalz-Organisatoren:

Valerie Besl, Magdalena Kauz, Max Hafele, Heinz D. Heisl, Elias Schneitter, Ulrike Wörner, Boris Schön

 

 

 

Mehr zum Programm finden sie auch hier: