Autor*INNen 2017

Sacha Batthyany (Schweiz)

Svenja Herrmann (Schweiz)

Vigdis Hjorth (Norwegen)

Burkhard Jahn (Schweiz)

A. L. Kennedy (England)

Martin Kolozs (Österreich)

Hanspeter "Düsi" Künzler (Schweiz)

Rolf Lyssy (Schweiz)

Judith Pouget (Österreich)

Petra Piuk (Österreich)

David Vann (USA)

Guntram Vesper (Deutschland)

Martin von Arndt (Deutschland)

Peter K. Wehrli (Schweiz)

Josh Weil (USA)

 

 

Sacha Batthyany

Sacha Batthyany
Sacha Batthyany © Maurice Haas

Lebt in Washington

 

Der Mann hat derzeit alle Hände voll zu tun. Er berichtet für die Süddeutsche Zeitung und den Tagesanzeiger aus Washington und wird sicher genug darüber zu erzählen haben bei Sprachsalz, ob er dafür die beste Zeit gewählt hat oder nicht.

Ebenso sorgfältig, wie er seine Artikel schreibt (kürzlich übrigens auch ein wunderschönes Interview mit Tom Wolfe), ist er an ein Projekt herangegangen, das zu einer eigenen literarisch-journalistischen Form geführt hat. Gleich zu Beginn erzählt er von dem Moment vor einigen Jahren, als ihm eine Kollegin in der Redaktion einen Zeitungsausschnitt mit dem Titel «Die Gastgeberin der Hölle» vorlegte – auf dem Foto ein ihm bekanntes Gesicht: das seiner Großtante. Was er erstmals in ebendiesem Artikel erfuhr, erschütterte ihn: Dass diese adlige Verwandte Margit Batthyany-Thyssen am Massaker von Rechnitz maßgeblich beteiligt war (in der Nacht des 24 .3 .1945 wurden dort 180 jüdische Zwangsarbeiter erschossen). Im Buch «Und was hat das mit mir zu tun?» erzählt Batthyany von der darauffolgenden Spurensuche, die ihn zu Nachfahren der Täter, aber auch der Opfer führt – und einer anderen Begegnung mit seiner eigenen Familie, nicht zuletzt mit sich selbst . Zwei der Figuren aus der Schicksalszeit (Täterin Margit und Opfer Agnes) streut er aufgrund seiner Recherchen in tagebuchartigen Prosafragmenten ein. Das Buch ist spannend und berührend zugleich, nicht zuletzt auch durch die Beschreibung seines inneren Kampfes, den er unter andere in seinen Besuchen beim Psychoanalytiker skizziert.

 

MK

 

Bücher:

«und was hat das mit mir zu tun?» 2015 Kiepenheuer & Witsch Verlag.

 


Svenja Herrmann

Svenja Herrmann © Gabi Vogt
Svenja Herrmann © Gabi Vogt

Lebt in Zürich

 

Ihre Gedichte umfassen urbane wie naturnahe Facetten unseres Lebens. Ob es daran liegt, dass sie in Frankfurt geboren wurde, aber im idyllischen Oberägeri (Zentralschweiz) aufwuchs? Das Sinnen über die Fragen hinter dem Alltäglichen treibt Svenja Herrmann zum Schreiben von Poesie.

 

Sie schreibe aus einem «wachen Gedächtnis», so die NZZ. Ihre neuen Gedichte erkunden die Schnittstelle zwischen der bedrohten Natur und unserer Zivilisation. An diesem Ort leben Einsame, Sehnsüchtige, Vergessene, aber es sind auch Momente des Glücks möglich, wenn die Natur sich für einmal durchsetzt. Mannigfaltig ist ihre Kunst am Text, gleichsam ist es ihr Werdegang: Studium der Literaturwissenschaft und Rechtsgeschichte. Außerdem gründete sie das kleine, feine Unternehmen «Schreibstrom», das Kreativitäts- und Begabtenförderung für Kinder und Jugendliche anbietet. Anerkennungen wie der Werkbeitrag des Kantons Zürich, das Atelierstipendium Landis&Gyr oder die «Literaturperle» von ART-TV bestätigen den Nachhall ihres Schaffens. Svenja Herrmann lässt uns mit ihrer Poesie Sinne und Sichtweisen neu justieren.

 

UHA

 

Bücher:

«Die Ankunft der Bäume» 2017; «Ausschwärmen» 2010, beide Wolfbach Verlag; Mitherausgeberin «60 Jahre Menschenrechte» 2008 Salis Verlag. www.schreibstrom.ch

 


Vigdis Hjorth

Vigdis Hjort © Kjell Ruben
Vigdis Hjort © Kjell Ruben

Lebt in Nesøya, Norwegen

 

Stellen Sie sich vor: Sie haben Ausländer in Untermiete, die veranstalten ein Grillfest und laden Sie nicht ein (obwohl Sie – würden Sie gefragt – diese Einladung sowieso nicht an- nehmen würden) . Schlimm? Ja . . . schlimm. Ertappt . . .? Ja . . . Aber dass man gefragt wird,

das erwartet man durchaus. Von der Normalität auf beiden Seiten ist in diesem Buch zu lesen. Eine Geschichte, die aufregt, bravourös erzählt. Vigdis Hjorth wurde 1959 in Oslo geboren, machte 1983 ihren Studien- Abschluss in Ideengeschichte, Politikwissenschaften und Literatur.

Diese Autorin aus Norwegen gilt es zu entdecken. In ihrer Heimat ist sie bekannt für ihre Essays und Diskussionsbeiträge zu aktuellen, gesellschaftlichen Themen, für ihren scharfen Blick auf Alltags-Sexismus, rassistische Vorurteile und Verhaltensweisen. Auch für ihre mitreißenden Lesungen wird sie sehr geschätzt. Im Roman «Ein norwegisches Haus» zeichnet sie eine Figur, die einem einige Seiten lang zutiefst unsympathisch ist und dann, mit einem Mal wieder sympathisch, für wiederum einige Seiten. Hin- und her gerissen ist man. «Die Polin hatte also vor, noch viele Jahre lang in der Wohnung zu bleiben. Und das war ja an sich in Ordnung, denn es bedeutete Vorhersehbarkeit, und es ist anstrengend, die Mieter zu wechseln, aber Alma konnte sich nicht von dem Gedanken befreien, dass die Polin sich doch ein wenig zu sehr zu Hause fühlte.» Mich hat das Buch – indem mich dessen Text wie erwähnt abwechselnd einmal in eine Ablehnung, dann wieder Zustimmung mit dem Handeln der Protagonisten versetzt, beeindruckt; und ich bin mir sicher, den Besuchern der Lesungen von Vigdis Hjorth wird es ebenso ergehen . Zumal sie in Hall ihr neuestes Buch dabeihaben wird, das auf Deutsch erscheint, ein ebenso brisantes Familiendrama: «Bergljots Familie». Für mich persönlich eine überzeugende Sprachsalz-Entdeckung.

 

HDH

 

Bücher:

«Bergljots Familie»; «Ein norwegisches Haus» 2015, beide Osburg Verlag Hamburg; «Tilla liebt Philipp» 1992 Verlag Sauerländer; «Hand aufs Herz» 1991 Verlag Sauerländer.

 


Burkhard Jahn

Burkhard Jahn © Maya Beck
Burkhard Jahn © Maya Beck

Lebt in Zürich

 

Es gibt heute viele Dichter, mitunter beschleicht den Leser das Gefühl, zu viele; und manch einer oder eine darunter, die jung und hübsch, gleich als Star gehandelt wird (und eventuell sofort wieder vergessen). Dann aber gibt es Ausnahme-Erscheinungen wie die eines Burkhard Jahn: Ein Dichter, der zwar ein Leben lang immer geschrieben, aber alles versteckt hielt. Und jetzt, wohlgereift und -überlegt, die Kleinode freigegeben hat. Zahlreiche Szenen und Schwänke aus seinem Leben hat er ebenso dicht wie lyrisch schwungvoll in Gedichte verpackt. Er steht konsequent zum Reim und zu klassischen Formen und zu deutlich spürbaren Vorbildern wie Rilke oder Kästner: Ihnen ähnlich, betrachtet er ebenso schonungslos bis hämisch die eigenen menschlichen Unzulänglichkeiten, wie den Kampf mit dem eigenen Vergehen oder die Wehmut über verpasste Gelegenheiten.

Darf man heute denn eigentlich wieder klassisch? Darf man Gedichte schreiben, die verstanden werden können? Ja, und nochmal: Ja. Besonders gut hat mir gefallen, wie Burkhard Jahn ab und zu auch seinen Hang zur wohlgeformten Perfektion durchbricht und etwa frech in Klammern darauf hinweist («ich empfehle, die letzte Strophe wegzulassen, eh klar»).

Die Leichtigkeit, mit der er auf der Bühne Gedicht, Text und freie Erzählung verknüpft, adelt den langjährigen Schauspieler, Regisseur und Autor ihn ihm gleichermaßen. Und – ach ja, manche Sprachsalz-Besucher mögen sich an ihn erinnern: Er lieh vor einigen Jahren dem französischen Schriftsteller Michel Butor selig seine Stimme.

 

MK

 

Bücher: «Himmelblauer November» 2015 Arnshaugk Verlag; «Der Weg an der Sarca», 2017 Bibliothek der Provinz.


A. L. Kennedy

al kenndey ©Donna-Lisa Healy
al kenndey ©Donna-Lisa Healy

Lebt in Wivenhoe (GB)

 

Irgendjemand meinte einmal, A. L. Kennedy sei etwas für Leser und Leserinnen, die bereits mit vier Jahren schwarze Kleidung getragen hätten: das ist wirklich traurig und zugleich imTraurigen sehr, sehr komisch und trifft Kennedys Art zu Schreiben und mit Stoffen umzugehen dennoch ganz genau.

ALK, wie sie sich selbst bezeichnet, ist unbestritten eine der wichtigsten, zeitgenössischen Schriftstellerinnen Großbritanniens. Ihre Themen sind die ganz großen: Liebe und Schuld und Angst. Schimmernd haben manche ihre Prosa bezeichnet, andere stil- sicher, präzise, klug und lakonisch. Wir meinen: Es ist von allem etwas, und ganz sicher nicht nur ein bisschen.

Als «europäische Antwort auf Thomas Pynchon und die Antwort des weiblichen Geschlechts auf die Idee lebensvernichtender Kunst-erzeugung» bezeichnet die ZEIT die mit Preisen überhäufte Kennedy, die in ihrem (unbedingt lesenswerten) Essayband «Schreiben» meint: «Wenn ein Mensch schreiben will, lässt er sich nur davon abhalten, wenn man ihn bis zu einem gewissen Grad umbringt.» Nichts und niemand will sie abhalten, die Sprachsalzbühne 17 zu betreten: Onwards!

 

UW

 

Bücher: «Leises Schlängeln» Erzählung 2016 Karl Rauch Verlag Düsseldorf; «Der letzte Schrei» Erzählungen 2015; «Schreiben» Blogs & Essays 2013; «Das blaue Buch» Roman 2012; «Alles, was du brauchst» Roman 2002, alle Hanser Verlag München.

www.a-l-kennedy.co.uk

 


Martin Kolozs

Martin Kolozs © kolozs
Martin Kolozs © kolozs

Lebt in Wien

 

Martin Max Kolozs kam Ende der siebziger Jahre zur Welt, verbrachte den Großteil seines Lebens in Tirol und lebt nun seit einigen Jahren in Wien. Sein Oeuvre reicht von Lyrik, Prosa und Dramen bis hin zu Biographien. «Der Autor ist Bestandteil meines Inneren», sagt Kolozs über sich, und betrachtet man die Quantität der von ihm veröffentlichten Texte, muss es wohl so sein. 15 seiner Theaterstücke wurden inszeniert, fast 25 Bücher veröffentlicht und geht man von einer durchschnittlichen Lebenserwartung aus, kann man in einigen Jahrzehnten eine kleine Hausbibliothek mit seinen Werken füllen. Deren Inhalte spannen einen Bogen von klassischer Spannungs- Literatur über existentielle Fragen des Lebens bis hin zu Liebesgedichten. Martin Kolozs' starke Auseinandersetzung mit dem Thema Glauben fließt nicht nur in die Auswahl der von ihm biographierten Personen ein, sondern auch in seine Literatur. Neben der Schreibtischtätigkeit hatte er schon immer eine Leidenschaft für den literarischen Event . Von literarischen Duellen über Krimiwanderungen bis hin zu Waschstraßenlesungen reicht das Spektrum und ja, Verleger ist er auch noch.

 

BSCH

 

Bücher: «Sommer ohne Sonne » 2016 Bucher Verlag; «Mein unruhiges Herz» 2016 Edition BAES; «Bischof Reinhold Stecher – Leben und Werk» 2015 Styria Verlag; «Ein Funke Leben» 2015 Bucher Verlag; «Immer November» 2012 Mitter Verlag .

www.martinkolozs.at


H. P. «Düsi» Künzler

Hanspeter Kuenzler ©Julian Hanford
Hanspeter Kuenzler ©Julian Hanford

Lebt in London

 

Seitdem es mehr und mehr Schreibschulen (Schreibakademien) gibt, summieren sich jene SchriftstellerInnen, welche durchaus gut bis hervorragend zu schreiben verstehen. Allerdings haben die meisten – nach meiner Erfahrung – nichts zu erzählen. Hanspeter Düsi Künzler ist ein großartiger Erzähler von Geschichten, die das Leben schreibt. Nachdem ich eigentlich zufällig bei einer Lesung von ihm war, überzeugte und begeisterte mich seine Arbeit augenblicklich. Und nach einem persönlichen Gespräch und einigen weiteren Anekdoten wusste ich, dass er hervorragend in das Sprachsalzprogramm passt – ist es uns/mir doch von Beginn an ein Bestreben, unserem Publikum das Erzählen in seiner Vielfalt nahe und also auf die Sprachsalz-Bühne zu bringen. «Das Leben schreibt die besten Geschichten», wie Peter Bichsel sagt. War es im letzten Jahr John Cleese, der zu nahezu jeder Textpassage eine Geschichte zum Besten gab, wird das in diesem Jahr Hanspeter Düsi Künzler sein, der das Buch hinter seinem Buch/seinen Büchern zu erzählen versteht. Von Gesprächen mit Charlie Watts, welcher der Nachbar seiner Schwiegereltern ist. Oder davon, wie seine Frau in der Abbey Road beinahe Paul McCartney überfahren hätte. Oder wenn er erzählt, dass er eines Morgens aufwachte und sein Buch, welches just an diesem Morgen den Buchhandlungen geliefert worden war, bereits am Vormittag zum Verkaufsschlager wurde.

Freitagabend wird «Düsi» diese und andere Geschichten aus dem Musikbusiness in einer Late Night zum Besten geben . Ja . . . das Leben schreibt die en Geschichten.

 

HDH

 

Bücher: «Time Is Now» 2016 Limmat Verlag Zürich; «Der Thriller um Michael Jackson» Familie, Fans & Verfolgungsjagden Roman 2010 Hannibal Verlag; «Michael Jackson – Black or White: Die ganze Geschichte» 2009 Hannibal Verlag. www.hanspeterkuenzler.com

Rolf Lyssy

Rolf Lyssy © Elia Lyssy
Rolf Lyssy © Elia Lyssy

Lebt in Zürich

 

Begegnungen mit ihm sind verbunden mit interessanten Gedanken, tiefgründigen Gesprächen, kreativem Hinterfragen – und dies stets mit einem Humor, von dem unser Alltag mehr bräuchte . Diese Attribute finden sich in all seinen Filmen und Texten. Mit «Schweizermacher» (mit Emil Steinberger) traf er den Nerv des eidgenössischen Publikums dergestalt, dass das Lachen nicht nur durch die situationskomischen Szenen ausgelöst wurde, sondern durch das Wiederkennen der eigenen Mentalität. Nach diesem riesigen Erfolg, der die Kinokassen zum Glühen brachte, hätte ein weiterer Film mit einer Fortführung der Story kommen sollen.

Doch stattdessen folgte eine Schaffenskrise, aus der eine Depression entstand. Nun wurde der damalige Film-Arbeitstitel «Swiss Paradise» zum Titel eines Buches, in dem er berührend und offen sein Leben vor, während und nach der mentalen Talsohle erzählt. Das Buch war ein Bestseller und ist ein Longseller: Beim Lesen wird es jedem gewahr, wie schnell man im Leben in einen Kippzustand gerät, schonungslos. Lyssy widmete sich in seinen weiteren Spielfilmen und Dokumentationen immer relevanten Themen, die diskutiert gehören. Heuer im Herbst kommt sein nächster Film in die Kinos: «Die letzte Pointe». Eine Komödie über das selbstbestimmte Sterben.

 

UHA

 

Bücher:  «Swiss Paradise» 2001 Rüffer & Ruf; «Hast Du`s Dir anders vorgestellt?» Kolumnen mit Urs Heinz Aerni 2007 Einfach Lesen Verlag; «Rolf Lyssy Collection» DVD-Box mit acht Spiel- und Dokumentationsfilmen 2012 Edition Präsens.


Judith Pouget

Judith Pouget © Gerhard Schoettl
Judith Pouget © Gerhard Schoettl

 Lebt in Linz

 

In ihrem prächtig illustrierten (mit Farb- Holzschnitten von Heike Küster) Textband «ortlos» schafft die Autorin Judith Pouget in kurzen, einseitigen Texten poetische Bilder voller Stille und Brüchigkeit Es sind Momentaufnahmen, Realitäts-Happen, die anscheinend ganz unwillkürlich zusammengestellt wurden. In «ortlos» beginnen alle Texte mitten in einem Satz und enden auch mitten in einem solchen. So bleibt vieles offen und die verwendeten Bilder erinnern an Treibholz in einem Fluss. Judith Pouget bevorzugt die leisen Töne, ihre Prosa ist höchst lyrisch angelegt. Unaufdringlichkeit, Zurückgezogenheit bestimmen Pougets Arbeiten. Bisher hat die 1959 in Linz geborene Schriftstellerin nur wenige Texte publiziert, was sicher ganz ihrem Charakter entspricht – ja ihr Programm zu sein scheint. Sie ist keine Autorin, die es auf große Aufmerksamkeit in der Literaturwelt anlegt. Ihre minimalistischen Texte überzeugen durch Klarheit, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Judith Pouget war auch als Übersetzerin tätig und übertrug vor allem Texte der Beat-Generation ins Deutsche.

 

ES

 

Bücher: «ortlos » 2016 Stadtlichter Presse Wenzendorf; «Abgehoben» 2009 Mitter Verlag; «sprechen, um zu berühren – Brief- Journal eines Sommers» 2004 Bibliothek der Provinz Weitra .

 


Petra Piuk

Petra Piuk © www.detailsinn
Petra Piuk © www.detailsinn

Lebt in Wien

 

Es ist schon ein hinreißend bösartiger Humor, der sich in den Seiten von Petra Piuks Romanen herumtreibt. Ob in «Lucy fliegt» (und wenn Lucy fliegt, dann fliegen ihr gleich dermaßen die Gedanken und prekären Verhältnisse um die Ohren, dass nicht nur ihr, sondern auch den Lesern schwindelt) oder in dem nagelneuen Roman «Moni und Toni oder: Anleitung zum Heimatroman» – Piuk schreibt pointiert und in schnellem Tempo. Zum Glück haben ihre Bücher nun wirklich nichts Gemütliches oder Behagliches, Erwartungen, die der Genrebegriff «Heimatroman» vielleicht bei manch einem Leser hervorruft. Tragikomische Figuren und Situationen wechseln sich mit Beobachtungen des Alltäglichen ab, die man gerne ins Lexikon der Metaphern und Aphorismen übernehmen möchte, etwa «Traditionen hochhalten wie Schnapsgläser». So liest sich «Moni und Toni» wie eine gallige Gebrauchsanweisung für das vielleicht doch nicht ganz so zivilisierte Mitteleuropa: «Die Hebamme stülpt eine Saugglocke über meinen Schädel und zerrt mich aus dem Mutterloch heraus. Ich bekomme einen Schlag auf den Rücken, beginne zu schreien und lerne meine erste Lektion fürs Leben: Eine Watschen ist gesund.»

Logischerweise lautet die Anleitung für Sprachsalz 2017: «Schlagen Sie nicht das Buch zu, sondern Ihren Hund oder Ihr Kind, dann schunkeln Sie fröhlich weiter.»

UW

 

Bücher: «Moni und Toni oder: Anleitung zum Heimatroman» Roman 2017; «Lucy f liegt» Roman 2016; alle Kremayr & Scheriau Verlag Wien.

 

www.petrapiuk.at


David Vann

David Vann © Mathieu Bourgois Agency
David Vann © Mathieu Bourgois Agency

 Lebt in Neuseeland.

 

Schwierigste zwischenmenschliche Beziehungen aller Art präsentiert David Vann in seinen unprätentiösen, klaren und alles andere als aufgeplusterten Romanen, die man nicht mehr aus der Hand legen mag. Erbarmungslos seziert der in Alaska geborene Vann Gefühle und familiäre Strukturen, archaische Muster werden offen gelegt und das alles in einer Sprache, die wortkarg und prägnant Sätze «wie geschliffene Kiesel» hervorbringt (Felicitas von Loven berg in der FAZ). Seine Themen sind die großen Themen: Schuld und Sühne, Tod und Töten, Liebe und Bindungen, und würde man seine Bücher mit einem Bleistift lesen, dann wären viele Seiten und viele Sätze unterstrichen, Ausrufezeichen reihte sich an Ausrufezeichen. Bei Sätzen wie diesem beispielsweise, aus «Goat Mountain», der als Motto seiner Werke gelten kann: «Für uns ist Kain der Brudermörder, aber wen sonst hätte er denn töten können? Kain und Abel waren die Ersten, die geboren wurden. Kain tötete, Bücher-Auswahl: was da war.» Sie sehen, vieles was Sie bis her kannten, verhält sich zu diesem Stoff wie Erbauungsliteratur für Studienräte. Oder um W. C. Williams zu zitieren: «Nehmen Sie die Säume ihrer Gewänder hoch, meine Damen, wir gehen durch die Hölle.»

 

UW

 

Bücher: «Aquarium» Roman 2016; «Goat Mountain» Roman 2014; «Dreck» Roman 2013; «Die Unermesslichkeit» Roman 2012; «Im Schatten des Vaters» Novelle 2011 alle Suhrkamp Verlag Frankfurt.

 

www.davidvann.com


Guntram Vesper

Guntram Vesper © Volker Poland
Guntram Vesper © Volker Poland

Lebt in Göttingen.

 

In seinem Opus Magnum «Frohburg», das 2016 erschienen ist, erzählt der Autor gleich zu Beginn die Flucht eines Gastwirtes und seines blinden Hundes aus dem Osten Deutschlands in den Schwarzwald, wo dann beide vor Heimweh sehr bald versterben. In diesem tausendseitigen Roman steht das Thema Flucht ganz im Zentrum. Flucht vor den Nazis, Flucht in den Westen – und die große Flucht des Autors in die Literatur. Vesper zelebriert sein stark autobiografisch gefärbtes Werk als Zusammenspiel zwischen leben, lesen und schreiben in einer schier endlos anmutenden Assoziationskette: Eine Familien-, Kriegs-, Gesellschafts- und Literaturgeschichte der intensiven Art. Der Erzählstil ist gehetzt, schwitzend, atem- und ruhelos, Details werden gesetzt wie Mosaiksteinchen, mit dem Ziel, ein riesiges, schillerndes Gemälde zu schaffen. Im Roman «Frohburg» entwirft Guntram Vesper eine Landkarte deutscher Geschichte, vom Kriegsende des Zweiten Weltkrieges bis nach der Jahrtausendwende.

Guntram Vesper wurde 1941 im sächsischen Frohburg geboren und kam 1957 in die Bundesrepublik. Er wurde vor allem bekannt als ein Meister der Kurzprosa und Lyrik. Daneben hat er zahlreiche Hörspiele und Drehbücher für Fernsehfilme verfasst.

 

ES

 

Bücher: «Frohburg» 2016 Schöffling & Co Frankfurt am Main; «Weg ins Leben 2015»; Wandertag» 2014; «Auftakt mit Arnold Z.» 2009; «Stomps in Gießen»; 2008 alle Corvinus Presse Berlin.

 


Martin von Arndt

Martin von Arndet © Ansgar Nöth
Martin von Arndet © Ansgar Nöth

Lebt bei Stuttgart und in Essen

 

Bevor das Manuskript fertig ist, um eine Übersetzung kümmern! Schreibt Fragmente! Kokettiert mit Magersucht! Wenn Drogen, dann Ecstasy! Verurteilt Umweltverschmutzung, rechnet mit den 68er-Eltern ab, baut medizinische Ekelvorgänge ein und Kurt Cobain (steht für: Jugend, Sex, Tod), dazu (als Symbol) Aids und eine Technoparty (was der Verleger eh nicht versteht).

Was Martin von Arndt, 1968 als Sohn ungarischer Eltern in Ludwigsburg, Baden-Württemberg, geboren, Autor und Musiker, zu Zeiten auch Schreinergehilfe und Winzroller-Testfahrer, seiner Kollegenschaft als Tipps mitgibt, ist natürlich zum Haare Raufen. Weil hell leuchtend ironisch. Immerhin ist er Thaddäus-Troll-Preisträger des Jahres 2010. So lustig wie fragil sind die literarischen Welten seiner Romane, die Existenz des Internetprofigamers Kovács, Julios, eines deutschen Musikers in Innsbruck in «Der Tod ist ein Postmann mit Hut» (ein Buch für «alte Rock’n’Roller», so die diesbezüglich unverdächtige Elke Heidenreich), Wasil, der in Lukaschenkos Minsk gebeutelt wird, oder Kommissar Andreas Eck-art, der 1921 in Berlin den Mord an einem Planer des Genozids an den Armeniern aufzuklären hat und 1946/47 einen «Goldfasan»

Bücher-Auswahl: in Tirol jagt. Leichtfüßig ist alles von Martin von Arndt, einem der wenigen deutschsprachigen Schelmenromanciers, dabei stets doppelbödig.

 

AK

 

Bücher: «Rattenlinien» 2016; «Tage der Nemesis» 2014, beide ars vivendi Verlag; «Oktoberplatz»; 2012; «Der Tod ist ein Postmann mit Hut» 2009; «ego shooter» 2007, alle Klöpfer & Meyer Verlag.

www.vonarndt.de

 


Peter K. Wehrli

Peter K. Wehrli © Rara Coray
Peter K. Wehrli © Rara Coray

Lebt in Zürich

 

Wenn das Wort die Kamera ersetzt: So hat’s eigentlich angefangen mit dem literarischen Großwerk von Peter K. Wehrli. Und tatsächlich: Auf einer Zugfahrt im Orientexpress von Zürich nach Beirut bemerkte er, dass er vergessen hatte die Kamera einzupacken. Was tun? Genau: alle Momente, Situationen und Szenen könnte man ja auch in Worte fassen und konservieren. Das tat er, der PKW, wie er auch genannt wird und es wurde Kult!

Er studierte in Zürich und Paris Kunstgeschichte, reiste durch die Sahara, verbrachte in den Siebzigern ein Jahr in Südamerika. Seine publizistische Karriere begann eigentlich mit der Anthologie «Dieses Buch ist gratis», das er zusammen mit Theo Ruff herausgab und es in der Tat in Kneipen oder Zugsabteilen verschenkte. Dann begann er in den sechziger Jahren beim Schweizer Fernsehen als Kulturredakteur zu arbeiten. Doch Südamerika ließ ihn ebenso wenig in Ruhe wie die Literatur. Über 40 Jahre Reisen und Schreiben ließen sein Lebenswerk stetig von 134 auf 1.697 Einträge wachsen: Der «Katalog von Allem». Peter K. Wehrli liebt nicht nur die Verschriftlichung von Momenten, er liebt das Leben! Wir freuen uns auf ihn und seinen Katalog – ob er nach dem Festival vielleicht auch was von Hall, Tirol und von Sprachsalz festhalten wird?

 

UHA

 

Bücher:

«Ein kapverdischer Dezember» 2014, Scaneg Verlag; «Katalog von Allem» 2011, Hörbuch Steinbach Verlag; «Katalog von Allem» 1999, Knaus Verlag; «Eigentlich Xurumbambo» 1992 Orte Verlag; «Tingeltangel» 1982 Werner Classen Verlag; «Zelluloid-Paradies» 1978 Edition Howeg; «Ankünfte» 1969 Regenbogen Verlag.

www.peterkwehrli.ch

 


Josh Weil

Josh Weil © Kalyia Simning
Josh Weil © Kalyia Simning

Lebt in Nevada City

 

Schon länger versuchte ich diesen Schriftsteller nach Hall zu bekommen. Allerdings das Schwierigste mein Vorhaben zu erreichen, lag bei der Zwischenstelle, nämlich beim deutschen Verlag des Autors:

Völliges Desinteresse wurde meinem Ansinnen entgegengebracht. Der Autor lese nicht, bekam ich zu hören – eine eindeutige Aussage. Im Zusammenhang mit T. C. Boyle – der mir persönlich bereits sein Kommen zugesagt hatte – wurde seitens des Hanser Verlages ein Auftritt bei Sprachsalz verhindert (obwohl er am Tag zuvor in der Nähe von Garmisch gelesen hatte). Als ich Boyle bei einem neuerlich persönlichen Treffen daraufhin ansprach, meinte er: «Sorry, I’m a slave of Hanser!»

Die persönlichen Kontaktdaten von Josh Weil bekam ich durch seinen Förderer Richard Ford, und nachdem ich Weil ein Mail mit der Anfrage zusandte, antwortete er innert einer Stunde und sagte zu und freut sich auf unser Publikum! Im Gepäck hat er seinen im letzten Jahr erschienenen Roman «Das Gläserne Meer»: Die Geschichte von den Zwillingen Jarik und Dima, die Seite an Seite in der «Oranżeria» arbeiten (zwei Figuren in einem Spiel der Verschwörungen und Täuschungen); sowie den brandneuen Roman «The Age Of Per pertual Light». Ein Schriftsteller, von dem in Zukunft garantiert noch viel zu hören und zu lesen sein wird.

 

HDH

 

Bücher: «Das Gläserne Meer» Roman 2016; «Das Neue Tal» Novelle 2011; «Herdentiere» Eine amerikanische Novelle; 2010, alle DuMont Verlag.

 

www.joshweil.com