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Eröffnung, 9. 9. 04

Freitag, 10. 9. 04

Samstag, 11. 9. 04

Sonntag, 12. 9. 04
2. Internationale Literaturtage Sprachsalz – Zusammenfassung
Sonntagabend gegen 18.00 Uhr endete die zweite Auflage des Literaturfestivals Sprachsalz in Hall in Tirol wiederum sehr erfolgreich. Man sah rundum zufriedene Gesichter bei zahlreichen Zuhörern und Zuhörerinnen, man hörte begeisterte Stimmen der AutorInnen, ganz nach dem diesjährigen Motto „hautnah . ohrnah – augenscheinlich“.

„Man kann einen Raum verwandeln, indem man in ihm liest!“, mit diesem Zitat des Autors Alberto Manguel eröffnete Organisator Heinz D. Heisl am Donnerstagabend das Empfangsfest des Literaturfestivals Sprachsalz in Hall in Tirol. Und die folgenden drei Tage bewiesen, dass Manguel Recht hat: Wiederum zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer aus nah und fern strömten zu den Lesungen im Haller Parkhotel und Kurhaus.

Obwohl am Freitagnachmittag eine strahlende Sonne über den Bergen stand, ließen sich die Lesehungrigen nicht abhalten, die beiden Eröffnungslesungen um 13. 00 Uhr (mit Norbert Mayer und Dietmar Eder) zu besuchen. Und je weiter der Tag sich dem Ende zuneigte, desto voller wurden die Säle. Zum ersten großen Leseabend am Freitagabend (mit Herta Müller aus Deutschland, Dzevad Karahasan aus Bosnien-Herzegowina, Claire Keegan aus Irland, Jacques Lederer aus Frankreich und Katharina Faber aus der Schweiz) kamen allein rund 150 ZuhörerInnen.

Ebenfalls sehr glücklich sind die Organisatoren und Organisatorinnen darüber, dass das Experiment mit den Lesungen in Originalsprachen Anklang fand: Sowohl die französische Lesung mit der großen Autorin Annie Saumont wie auch die englischsprachige Lesung mit der temperamentvollen Irin Claire Keegan waren gut besucht. Sogar für die slowenischsprachige Lesung von Andrej Blatnik fanden sich einige Zuhörerinnen ein, zum Teil solche, die von Wien und Klagenfurt eigens für diese ganz spezielle Lesung angereist waren.

Am Samstag schließlich waren die Säle bestens ausgelastet. Auch der in Vancouver lebende österreichische Fotograf Harry Redl fand mit seinen in Film und live dargebotenen Geschichten zu seinen Fotografien der amerikanischen Beatgeneration so enthusiastischen Zuspruch, dass die OrganisatorInnen auf mehrfache Anfrage des Publikums hin zwei zusätzliche Veranstaltungspunkte mit dem „grand old man“ ins Programm hievten. Harry Redl strahlte: „Das bemerkenswerteste Wochenende meines 21. Jahrhunderts!“ schrieb er in unser Gästebuch und: „Danke, Tirol, für die herrlichen Tage, und ich bin ab heute Wahl-Tiroler!“ Dem Haller Bürgermeister Leo Vonmetz bot er bei dessen Besuch spontan an, in Vancouver als „Botschafter für Hall“ zu amten.

Am Festabend des Samstags füllte sich der große Kurhaussaal mit über 200 ZuhörerInnen, die das Festmenu, die musikalischen Wunderklänge von Akkosax und die Lesungen von acht AutorInnen genossen. Auch die kanadische Botschafterin in Österreich, Ingrid Hall, ließ es sich nicht nehmen, eigens für diesen Abend und für den kanadisch-argentinischen Autor Alberto Manguel von Wien nach Hall in Tirol zu reisen und genoss den Abend sichtlich am Ehrentisch des Bürgermeisters von Hall. Ein erfolgreicher Abend und eine lange Nacht folgten, die der bekannte Schweizer Autor Peter Weber in poetische Worte fasste: „Diese Hallraumerfahrung der wunderbaren Art: Veranstaltungskunst ist so wichtig!“

Und an diesem Abend füllten sich auch die aufgestellten SAGE-Boxen merklich: Das Sozialprojekt SAGE, das die OrganisatorInnen dieses Jahr ins Leben gerufen haben, soll freischaffenden AutorInnen in finanziell prekären Umständen unter die Arme greifen können. Und nicht nur einiges an Münzen und Scheinen landete als freiwillige Spenden in den SAGE-Boxen (sämtliche Veranstaltungen während Sprachsalz sind ja eintrittsfrei), sondern ein ansässiger Arzt kam sogar auf die hervorragende Idee, uns eine Spende in „Naturalien“ anzubieten: Er versprach den Verantwortlichen von SAGe, dass er AutorInnen mit gesundheitlichen Probleme auf unsere Vermittlung hin gratis behandeln würde. Ein grossartiges Angebot, das, wie die Veranstalterinnen hoffen, Nachahmer finden wird! Und notabene auch eine der lesenden Autorinnen spendete gleich ihr ganzes Lese-Honorar.

Am Sonntag Nachmittag schließlich waren die Veranstaltungsräume zum Teil bis auf den letzten Platz besetzt. Sogar auf die Überraschungslesung ließen sich die Zuhörerinnen blind ein und wurden belohnt: Der berühmte Schweizer Autor Peter Bichsel (der auch 2003 schon bei Sprachsalz zu hören war) war es, der sich nach einigen Minuten erwartungsvoller Spannung aus den Reihen des Publikums erhob und vor dem Mikrofon Platz nahm. Mit seiner „Geschichte, in der die Wörter Tessin und Grappa vorkommen“ begeisterte er die ZuhörerInnen derart, dass Peter Bichsel nach minutenlangen Schlussovationen sichtlich gerührt eine Zugabe lesen musste.

Den fulminanten Schluss schließlich bot der Schweizer Sprachakrobat, Künstler und Kabarettist Andres Lutz (gemeinsam mit dem Musiker Frank Heierli), der vom Autor Peter Weber als Patenschaft zu Sprachsalz eingeladen wurde: Im Restaurant Welzenbacher brachten sie ein fasziniertes Publikum bis hin zu Lachtränen und bereiteten Sprachsalz somit ein heiteres Ende. Der letzte Satz, der in die Ohren und Herzen des Sprachsalz-Publikums gesprochen wurde, hieß bei Andres Lutz denn auch: „Dann ging es wieder einigermaßen....“

Die OrganisatorInnen von Sprachsalz bedanken sich bei ihrem so zahlreichen, aufmerksamen und begeisterungsfähigen Publikum und auch bei den dieses Jahr zahlreich erschienenen Journalisten und Journalistinnen von nah und fern, die ebenfalls dazu beigetragen haben, dass Sprachsalz 2004 einmal mehr ein großer Erfolg wurde.

Bis im nächsten Jahr, vom 16. bis 18. September 2005!


Zitate aus dem Gästebuch:

Dzevad Karahasan: „Es entspricht nicht vollkommen der Wahrheit, wenn ich in das Gästebuch eine Eintragung schreiben würde, denn Ich fühle mich hier so wohl beheimatet, dass es falsch wäre zu behaupten, ich sei ein Gast....“

Claire Keegan: „Had I the choice, I would not leave“

Annie Saumont: “Tous ces écrivains, toute cette amitié, cela nous encourage, merci!“ (Übers.: All die Schriftsteller, und all diese Freundschaft, das ermutigt uns, merci!)

Franz Hodjak: „ Oft genug sagte ich &Mac226;Gott sei Dank’, wenn etwas vorbei war, dieses Mal nun sage ich &Mac226;schade, schade’. Es hat einfach alles gestimmt, die lockere Atmosphäre, das Publikum, und – was ich besonders gut fand – das Festival war nicht kaputtorganisiert.“

Alberto Manguel: „A wonderful literary festival with its generous readers, eager organizers and even writers from the hidden corners of the earth. May it prosper!“

Hans Ruprecht (Kulturveranstalter aus Bern): „Was wäre die Salzsprache ohne den Hall der Zeit!“



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